Automobilmarkt 2010 – bisherige Prognosen falsch?

Nach Ansicht verschiedener Experten werden in Deutschland für das kommende Jahr zwischen 2,8 und 2,9 Millionen Neuzulassungen erwartet. Dieser Annahme liegen umfangreiche Prognoseverfahren zu Grunde. Für das Jahr 2009 werden insgesamt 3,8 bis 3,9 Millionen NW-Zulassungen erwartet. Diese Zahl ist noch gut nachvollziehbar, wurden doch bereits per Ende September knapp 3,0 Millionen PKW-Neuzulassungen gezählt.

In den letzten drei Monaten konnten abwrackprämienbedingt monatlich durchschnittlich rund 300.000 PKW-Neuzulassungen registriert werden. Rechnet man diesen Schnittwert bedingt durch die Nachwirkung der Abwrackprämie bis zum Jahresende linear hoch, ergibt sich ein Wert der sich im Rahmen der prognostizierten Erwartungen für das laufende Jahr bewegt. Aber wie kommen nun die Experten auf einen Prognosewert zwischen 2,8 und 2,9 Millionen PKW-Neuzulassungen für 2010? Können diese Prognosen stimmen?

Hier der Versuch einer neutralen Betrachtung: Für das Jahr 2009 waren ursprünglich zwischen 3,1 und 3,2 Millionen PKW-Neuzulassungen prognostiziert worden. Die tatsächliche Anzahl der Neuzulassungen wird aber wohl um 700.000 bis 800.000 PKW höher ausfallen. Geht man davon aus, dass es sich bei diesem Überhang um vorgezogene Neuwagenkäufe der kommenden zwei Jahre handelt, würden sich dies bei den zu erwartenden PKW-Neuzulassungen in den kommenden beiden Jahren im Schnitt mit ca. 350.000 bis 400.000 Einheiten pro Jahr auswirken. Nun werfen wir einen Blick auf die letzten beiden Jahre. Laut KBA konnten 2007 3,15 und 2008 3,09 Millionen PKW-Neuzulassungen registriert werden. Legt man diese Zahlen zu Grunde, so liegt das theoretische PKW-Neuzulassungspotential bei zwischen 3,1 und 3,2 Millionen im Jahr. Ziehen wir hiervon die geschätzten vorgezogenen Neuwagenkäufe für kommendes Jahr ab, ergibt sich ein Wert im Rahmen der Prognosen für 2010. Somit könnten sich die Prognosen durchaus bewahrheiten. Aber, fehlt in dieser Betrachtung nicht noch eine entscheidende Unbekannte? Gab es nicht in den letzten Monaten, eigentlich schon das ganze Jahr über, Berichte über eine globale Krise, die auch den ehemaligen Exportweltmeister Deutschland schwer getroffen hat? Wird nicht permanent von einer massiven Zunahme der Arbeitslosenzahlen im kommenden Jahr gesprochen? In dem ganzen Prognosetopf scheint somit eine entscheidende Zutat zu fehlen – die Auswirkungen der Krise! Setzt man hier noch einen entsprechenden Konjunkturabschlag an, müsste dies eigentlich zu einer Korrektur der Prognosen führen. Wir werden sehen, wie stark (oder schwach) sich der deutsche Neuwagenmarkt im kommenden Jahr tatsächlich zeigt!

Auch der Gebrauchtwagenmarkt hat in diesem Jahr bisher von der Abwrackprämie, die auch bei Jahreswagen zur Anwendung kam, profitieren können. Mit einem Minus von 1,3 % im ersten Halbjahr liegen die deutschen Besitzumschreibungen im europäischen Vergleich noch auf einem Spitzenplatz. Europaweit musste im ersten Halbjahr (Quelle: BDW Automotive) ein Rückgang der Besitzumschreibungen in Höhe von 8 % verkraftet werden. Etwas zeitversetzt könnte diese Entwicklung im kommenden Jahr auch den deutschen Markt ergreifen. Gute Zeiten für Gebrauchtwagenkäufer!

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